| Jehovas Zeugen |
Die Formulierung dieser Aussage Jesu ist eigentlich unmißverständlich: Alle Jünger Jesu sollen einander lieben. Sicherlich gibt es vieles, was dieser Aussage heute entgegensteht. So war es bestimmt nicht angedacht, daß die Christen sich in Denominationen aufteilen. Auch gibt es Unversöhnlichkeit und Streit zwischen Christen. Jede dieser Äußerungen von Uneinigkeit verletzt das Liebesgebot Jesu.
Klar muß sein: Mit einem Mißstand kann man den anderen nicht aufwiegen. Weil eine Gemeinde mit der anderen zerstritten ist, ist das keine Rechtfertigung, selbst ebenso mit anderen Christen zerstritten zu sein. Die Berufung ist ganz klar, in einer Liebesbeziehung zu allen Jüngern Jesu zu leben.
Diese gibt es nicht nur bei den Zeugen Jehovas. Überall auf der Welt erleben Menschen eine Hinwendung zu Gott, bekehren sich, fangen ein neues Leben mit Ihm an, beziehen das "Loskaufsopfer", den stellvertretenden Tod Jesu Christi am Kreuz, auf sich. Und kein Mensch hat das Recht, ihnen abzusprechen, Jünger Jesu zu sein. Es handelt sich nicht nur um einzelne Menschen, es handelt sich um ganze Gemeinden, die aus solchen Jüngern Jesu bestehen. Einzelne Menschen sind von Gott gebraucht worden, um Großes zu vollbringen. Missionare, die allein loszogen, auf die die christliche Bevölkerung eines ganzen Landes zurückgeht.
An dieser Stelle kommt oft der Einwand: "Aber was ist mit dem, was Christen in der Welt so anstellen? Zum Beispiel in Nordirland? Sieht man daran nicht, daß es sich keineswegs um wahre Christen handelt?"
Man wird unterscheiden müssen. Schon Luther kannte den Sachverhalt, daß es Menschen gibt, die in der Kirche sind, und Menschen, die "mit Ernst Christen sein wollen". In der heutigen Zeit ist dieser Sachverhalt noch vielfach offensichtlicher geworden. Es gibt signifikante Bevölkerungsanteile, die nominell einer der Konfessionen zuzuschlagen sind, ohne daß alle Menschen darin den Weg in die Kirche finden, geschweige denn mit Jesus leben wollen. Mir geht es zentral um die Jünger Jesu. Was sie tun, ist natürlich weit weniger spektakulär als ein Bombenanschlag oder ein Massaker mit der Maschinenpistole und findet nur selten Eingang in die Medien.
Was hindert Zeugen Jehovas, mit Jüngern Jesu weltweit Gemeinschaft
zu haben, zusammen in der Bibel zu lesen (ohne sie missionieren zu wollen!),
zu beten, am Reich Gottes zu bauen, sie als Jünger Jesu an ihrem Ort
zu lieben?
Ich denke, das Bild, das ihnen die Wachtturm-Gesellschaft, ohne zu
differenzieren, von der "Christenheit" vermittelt.
| Die "Sonne" der Christenheit - ihr Anschein
von Erleuchtung - verfinsterte sich, und die "Luft" wurde mit den Erklärungen
göttlicher Gerichtsbotschaften erfüllt, während gezeigt
wurde, daß der "Herrscher der Gewalt der Luft" dieser Welt der Gott
der Christenheit ist.
(Offenbarungsbuch, S. 144 links) |
Auf den Punkt gebracht und unverklausuliert bedeutet das, der Autor des Offenbarungsbuches behauptet, der Gott der Christenheit ist der Teufel. Die Menschen außerhalb der Zeugen Jehovas, die das Opfer Jesu für sich angenommen haben, die Gott ehren, die ihn anbeten, sind also in den Augen dieses Autors nichts anderes als Satansdiener. Ist das immer noch gute "geistige Speise", die da gereicht wird? Oder ist es verdorbene Speise, der ein wahrnehmbarer Mißgeruch anhaftet?
Menschen, die Gott vertrauen. Menschen, die Gott ihr Leben überantwortet haben. Menschen, die für Gott gelebt haben. Was ist ihr Glaube wert? Nichts, will man der Wachtturmgesellschaft glauben:
| "Damit ist die Christenheit gemeint. [...] Ihr Glaube ist das Ergebnis des großen Abfalls vom wahren Christentum, des Abfalls, den Jesus und seine Jünger vorausgesagt hatten." (S. 133) |
Es wird gegen die "Geistlichkeit" polemisiert, zu den gröbsten Verallgemeinerungen gegriffen. Keine Spur davon, wenigstens zwischen Weizen und Unkraut unterscheiden zu wollen. "Dieses Drittel der Menschheit verdient auf keinen Fall Gottes Gunst." So meint es der Autor, im Brustton der Überzeugung behaupten zu dürfen.
Nicht weniger eindeutig eine Resolution, die im Wachtturm vom 15.4.1989 abgedruckt ist:
"WIR VERABSCHEUEN die Schmach, die Babylon die Große und vor allem die Christenheit auf den Namen des wahren und lebendigen Gottes Jehova gebracht hat." (S.18)
Das Gleichnis Jesu vom Unkraut im Weizen (Mt 13, 24-30) wird völlig ignoriert. Jesus macht darin bereits deutlich, daß zu dem "guten Samen", den der Sämann auf den Acker geworfen hat, sich die Unkrautsamen gesellen würden, die ein böser Feind heimlich hinzustreuen würde. Stattdessen wird das Vorhandensein von Unkraut zum Anlaß genommen, gleich den ganzen Acker für wertlos zu erklären - mit Ausnahme des kleinen Fleckchens, wo die Halme der Zeugen Jehovas aufgegangen sind. Das Gleichnis macht jedoch deutlich, daß nicht wir es sein werden, die die Ernte einholen und Unkraut und Weizen voneinander trennen werden. Der Mensch, der den Acker bestellt (Gott) ist es, der Erntearbeiter aussendet, die diese Arbeit fachmännisch erledigen werden. Es handelt sich dabei nicht um die Knechte, die ausdrücklich gefragt hatten, ob sie dies tun sollen. Ihnen sagt Jesus, daß sie in Gefahr stehen, beides auszureißen, das Unkraut und den Weizen.
Wie sich am Beispiel der WTG-Lehren zeigt, keine ganz unbegründete Warnung.
Ich möchte mit einer Einladung schließen, an der nächsten Haustür, die ein Christ öffnet, vielleicht mal keine Gelegenheit zu sehen, einige Zeitschriften abzugeben oder jemanden für die Zeugen Jehovas zu gewinnen, sondern ihn als einen Jünger Jesu anzunehmen und ernstzunehmen, der selbst vor seinem Gott lebt, mit dem man jenseits von missionarischen Bestrebungen Gemeinschaft haben, in der Bibel lesen, miteinander beten kann.