| Jehovas Zeugen |
Sie sind Jehovas Zeugen begegnet - auf der Straße, oder an der Haustür.
Dem ersten Kontakt folgten weitere, und nun sind sie auf dem besten Weg,
sich den Zeugen Jehovas anzuschließen. Sie stehen sozusagen
an der Eingangstür zum Königreichssaal. Oder haben Sie
sogar schon einige Male Veranstaltungen dort besucht? Selbstverständlich
respektiere ich ihre freie Entscheidung, sich für eine Religionsgemeinschaft
zu interessieren oder sich ihr anzuschließen.
Sollten Sie sich jedoch noch nicht ganz sicher sein, ob dies der richtige
Weg für Sie ist, möchte ich Ihnen in diesem Artikel einige Fakten
und Fragen vorlegen, über die nachzudenken sich meiner Überzeugung
nach lohnt. Ich bemühe mich dabei darum, nicht allzuviel Wissen
vorauszusetzen. Sollten Ihnen irgendwelche Punkte unklar geblieben
sein oder sie noch weitere Fragen haben, schreiben Sie mir doch bitte eine
Mail.
Ab wann bin ich Mitglied?
Bei Jehovas Zeugen ist es jedoch sehr viel klarer definiert: Ein Verkündiger ist ein Mensch, der einen Predigtdienstbericht abgibt. Darin werden Sie detailliert Monat für Monat erfassen, wieviele Predigtdienststunden (zum Beispiel an der Haustür oder auf der Straße) sie abgeleistet haben und wieviele Zeitschriften, Broschüren und Bücher Sie abgegeben haben. Ganz Deutschland ist zu diesem Zweck in Gebiete aufgeteilt, die von einer Ortsversammlung "bearbeitet" wird - jede Straße wird verteilt.
Es fällt auf, wie deutlich der Dienst der
Zeugen Jehovas und die Literatur der Wachtturmgesellschaft miteinander
verknüpft sind: Wenn Sie sich monatelang ernsthaft und aufrichtig
um einen Freund aus ihrem Bekanntenkreis bemühen und ihm von Gott
erzählen, ist das nichts, was sich in Literaturabsatz wiedergeben
läßt. Und Gott - so sagt es die Bibel - legt mehr Wert
darauf, ob wir "mit dem Herzen dabei sind". Was wir tun, und wieviel,
weiß er ohnedies. Dies läßt die Frage offen, wofür
man so penible Absatzstatistiken überhaupt benötigt.
Das alles bedeutet, Sie laufen Gefahr, in "eingefahrene
Gleise" zu kommen und die Bibel ganz automatisch in einem bestimmten
Sinn zu verstehen - insbesondere wenn Sie sich vorstellen, erst mal ein
Jahrzehnt dabeigewesen zu sein...
Von dort aus zieht sich eine lückenlose Disziplinarstruktur bis in die Versammlung, die sie betreten. Kleinere Abweichungen werden durch "bezeichnen" geahndet: Man macht Ihnen deutlich, daß Sie über die Grenzen getreten sind und schneidet Sie deshalb. Es können Ihnen auch jegliche Aufgaben, die sie in der Versammlung übernommen hatten, entzogen werden - ein deutliches, öffentliches Signal. Für größere Abweichungen, von denen Sie nicht Abstand nehmen wollen, können Sie exkommuniziert werden ("Gemeinschaftsentzug"). Das bedeutet, kein Zeuge Jehovas soll mit Ihnen Kontakt halten, Sie auch nur auf der Straße grüßen. Um einen solchen Gemeinschaftsentzug zu verhängen, dafür gibt es eine interne Gerichtsbarkeit ("Komiteeverfahren"). Menschen, denen die Gemeinschaft entzogen wurde, werden auf eine Stufe mit Menschen gestellt, die sich grob unmoralisch verhalten.
Wenn Sie sich bei Jehovas Zeugen taufen lassen,
erklären Sie damit nicht nur Ihre Hingabe an Gott, sondern gleichzeitig
auch ihre Verbundenheit mit der Organisation der Zeugen Jehovas.
Das steht - wenn Sie einmal die Evangelien lesen - in ganz auffallendem Kontrast zu dem Verhalten, das Jesus vorgelebt hat. Jesus hat sich gerade unter den Menschen aufgehalten, die ihn besonders brauchten - auch wenn er dafür von den sehr Frommen seiner Zeit schief angesehen wurde.
Nebenbei bemerkt, macht es die Gefahr eines Gemeinschaftsentzuges auch bedrohlicher: Denn wenn Sie niemand außer anderen Zeugen Jehovas mehr kennen, würde ein solcher Entzug den Verlust ihres gesamten sozialen Umfeldes bedeuten, mit einem einzigen Schlag.
Gemeinschaft mit anderen Christen, oder gar Zusammenarbeit, ist von Seiten der Zeugen Jehovas aus unmöglich. Sie werden keinen Gottesdienst in einer anderen Kirche mehr besuchen können, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, vom "wahren Glauben" abgefallen zu sein.
Was ist daran bedenklich?
Vielleicht sind sie von ihren Erfahrungen mit "Kirche" bitter enttäuscht worden. Nun begegnen Sie mit den Zeugen Jehovas zum ersten Mal Menschen, die sich ernsthafter mit der Bibel beschäftigen und bei denen das auch Auswirkungen auf ihr Leben hat. Klar - der Unterschied ist groß. Aber Ernsthaftigkeit besagt noch nichts über die Möglichkeit eines Irrtums.
Die Haltung der Zeugen Jehovas in diesem Punkt ist ein solcher Irrtum, weil Jesus alle Menschen, die ernsthaft mit ihm leben wollen, dazu berufen hat, einander zu lieben und eine Einheit zu bilden. Selbstverständlich gibt es solche Menschen auch außerhalb der Zeugen Jehovas, auch wenn Sie ihnen in ihrer eigenen Kirchengemeinde nicht begegnet sein mögen. Und es sind nicht nur einzelne Menschen, die man unter das Dach des Königreichssaals bringen könnte - es sind ganze Gemeinden, die in ihrer Zahl die Gesamtmenge der Zeugen Jehovas bei weitem übersteigen.