| Jehovas Zeugen |
| "34,6 Prozent haben die Schule mit mittlerer Reife oder Abitur abgeschlossen.
32,3 Prozent sprechen eine oder mehrere Fremdsprachen."
(Jehovas Zeugen, Menschen aus der Nachbarschaft... S. 30)
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Länge des Schulbesuchs
Sicherlich gibt es auch Zeugen Jehovas, die auf das Gymnasium gehen und Abitur machen. Allein dieser Satz macht jedoch deutlich: Eine tiefergehende, schulische Ausbildung wird von der Wachtturmgesellschaft nicht hoch bewertet. Selbst der Mindestschulbesuch wird damit begründet, daß man sich an gesetzliche Vorgaben zu halten hat.
"Wenn der Arbeitsmarkt eine zusätzliche Qualifikation erforderlich macht, weil der gesetzlich vorgeschriebene Mindestschulbesuch nicht ausreicht, ist es Sache der Eltern, ihren Kindern bei der Entscheidung für oder gegen Weiterbildung zu helfen, indem sie den voraussichtlichen Nutzen zusätzlichen Lernens gegen die Opfer abwägen, die man dafür bringen muß." (S. 6, Hervorhebung von mir)
Noch klarer ist diese Aussage. Wenn alle Zeugen Jehovas mit einem
Hauptschulabschluß einen Arbeitsstelle finden würden, dann sollten
alle Zeugen Hauptschüler sein - so stellt es sich die WT-Gesellschaft
vor. Daß damit viele Berufsfelder verschlossen bleiben, ist kein
Manko: Das Hauptgewicht soll ohnedies eher bei dem "Predigtdienst"
liegen. Wenn Sie Lehrer an einem Gymnasium sind und einen Zeugen Jehovas
in der Klasse haben, dann deshalb - so wird in obigem Zitat nahegelegt
- weil die Eltern sich mit ihrem Kind zusammen mühsam abgerungen haben,
dieses zusätzliche Opfer in Kauf zu nehmen. Um ihm die Arbeitslosigkeit
zu ersparen. Wie sehr Zeugen Jehovas zu einem eventuellen Studium
ermuntert werden, können Sie sich leicht ausmalen.
Was dabei nicht erwähnt wird, ist der hohe Aufwand an Zeit, der
für die Aktivitäten bei den Zeugen Jehovas zu veranschlagen ist.
Schon früh sind die Kinder daran gewöhnt worden, mit zu den "Versammlungen"
zu gehen. Dabei wird ihnen kein kindgerechtes Programm geboten.
Vielmehr müssen sie - schon als "kleine Erwachsene" gekleidet - dort
stillsitzen. Ebenfalls früh werden sie in den "Haus-zu-Haus-Dienst"
mitgenommen und an das Verteilen der Wachtturm-Literatur herangeführt.
Die außerschulischen Aktivitäten stehen unter dem Vorbehalt,
daß viele Dinge für Zeugen Jehovas als nicht akzeptabel angesehen
werden. Außerdem wird nicht zu Freundschaften mit "der Welt"
geraten, so daß die Kinder eigentlich unter ihresgleichen bleiben
sollten.
Als Beispiel werden da zum Beispiel Lese- und Schreibunterricht in Ländern Afrikas und Lateinamerikas erwähnt. Sicherlich ist eine Alphabetisierungskampagne gut und wünschenswert. Hier ist sie jedoch gleichzeitig Voraussetzung dafür, um die Schüler zur Aufnahme der Wachtturm-Literatur zu befähigen. Gibt es weitergehende Ziele?
"Da Jehovas Zeugen dem Vermitteln biblischer Bildung großen Wert beimessen, arbeiten sie an ihrer Lehrfähigkeit, damit sie anderen die biblischen Lehren noch wirkungsvoller erklären können. Aus diesem Grund findet in jeder der weltweit über 75000 Versammlungen der Zeugen Jehovas wöchentlich die Theokratische Predigtdienstschule statt." (S.11)
Hier lernen die Zeugen Jehovas, wie sie ein "biblisches Thema" in einem Kurzvortrag vorstellen können. Dieser Vortrag wird anschließend von einem Unterweiser bewertet, so daß sie sich in ihrem Vortragsstil verbessern können. Der "Bildungsfaktor" liegt hier also in dem richtigen Zusammenfassen und Wiedergeben eines vorgegebenen Inhaltes. Hier wird der Grundstock dafür gelegt, daß Zeugen Jehovas an der Haustür und an der Straße ihre Lehrpunkte ganz im Sinne der Wachtturmgesellschaft flüssig vortragen können. Deshalb gibt es auch noch gespielte Situationen, wo ein Zeuge Jehovas den Interessierten spielt und wo Gesprächssituationen konkret geübt werden. Leider weist auch die biblische Bildung, so habe ich im Gespräch mit Zeugen Jehovas feststellen müssen, Lücken auf. Flüssig argumentiert werden kann da, wo ein Thema "gelernt" wurde. Die Übersicht über biblische Zusammenhänge scheint dabei jedoch verlorenzugehen.
Bibelstudienhilfsmittel in Form von Jahrgängen der Zeitschriften "Der Wachtturm" und "Erwachet!" und die andere Literatur der Watch Tower Society - auch hier steht sie wieder im Mittelpunkt. Darüber hinaus gibt es noch "Wörterbücher und andere Nachschlagewerke". Im wesentlichen handelt es sich bei dieser Bibliothek also um ein Hilfsmittel, noch tiefer in die Wachtturmliteratur einsteigen zu können.
Das Lesen wird also empfohlen. Doch mit der eigenen Bibliothek
sind wohl ebenfalls eine große Auswahl an Veröffentlichungen
der Wachtturmgesellschaft gemeint, wie die illustrierenden Bilder zeigen.
Da sind die Bücherregale voll mit Wachtturm-Literatur, und auch auf
dem Tisch, wo die Eltern mit ihrem Sprößling "studieren", häufen
sich aufgeschlagene Bücher und Zeitschriften der Watch Tower Society.
Diese Gesellschaft möchte also einen Alleinvertretungsanspruch für
die Wissensvermittlung an die Zeugen Jehovas anmelden, die ihr treu dienen.
Ein solcher Beweis steht für mich nach Lektüre der Schulbroschüre nicht nur an dieser Stelle, sondern insgesamt aus: Das Vermitteln von Schreib- und Lesefertigkeiten nimmt breiten Raum ein. Ansonsten soll - wenn es der Arbeitsmarkt nicht anders erfordert - der gesetzlich mögliche Minimalbesuch an Schulen ausreichen. Höhere Schulbildung oder gar ein Studium an der Fachhochschule oder Universität sind keine erstrebenswerten Ziele, sie werden nur notfalls in Kauf genommen. Die Zeugen Jehovas sollen ihren Wissensdurst vielmehr aus der Literatur der Watch Tower Society stillen. Das Niveau von "Erwachet!" liegt - die religiösen Themen beiseitegenommen - bestenfalls auf einer Ebene mit "Das Beste aus Readers Digest". Eine umfassende Bildung, die natur- und geisteswissenschaftliche Kenntnisse ebenso umfaßt wie einen Einblick in die Weltliteratur, eine Hinführung zu einer eigenständig denkenden Persönlichkeit - all dies findet nicht statt.
"Die Eltern sind jedoch nicht die einzigen, die
sich bemühen, aus einem Kind einen anpassungsfähigen Erwachsenen
zu machen." (S. 28) Das ist das
Erziehungsziel der Wachtturmgesellschaft: Ein anpassungsfähiger
Erwachsener. Ein Mensch, der sich in die Autoritätsstruktur
der Watch Tower Society und der Versammlung einfügt. Der lernt,
wiederzugeben und nicht zu hinterfragen. Der Lehränderungen
mitmacht und sich an den neuen Inhalt anpaßt.